In der aktuellen Folge des PREVENTURE Podcasts spricht Oliver Neumann mit Malte Bornholdt, IT- und Digital-Health-Experte und Geschäftsführer von Bornholdt Lee. Im Fokus stehen digitale Gesundheitsanwendungen, Prävention und die Frage, was Angebote wirklich wirksam macht.
Dabei wird deutlich: Gute Technologie allein reicht nicht – entscheidend sind Evidenz, Nutzerzentrierung und tatsächliche Nutzung.Digitale Prävention, DiGA und Nutzerzentrierung: Wie Gesundheitsanwendungen wirklich wirken.
Bornholdt Lee entwickelt seit mehreren Jahren digitale Gesundheitsanwendungen – von Präventions- und Lifestyle-Angeboten bis hin zu digitalen Medizinprodukten und DiGA.
Eine der wichtigsten Erfahrungen aus dieser Arbeit: Technologie allein verändert noch kein Verhalten.
Damit eine digitale Anwendung tatsächlich Wirkung entfalten kann, muss sie genutzt werden. Dafür braucht es eine verständliche Nutzerführung, eine ansprechende Gestaltung und vor allem ein tiefes Verständnis für die Menschen, für die das Produkt entwickelt wird.
Malte Bornholdt betont deshalb die Bedeutung von Nutzerinterviews, frühen Tests und Prototypen. Schon in der Konzeptphase müsse überprüft werden, ob eine Anwendung tatsächlich zu den Bedürfnissen ihrer Zielgruppe passt.
Denn das beste Gesundheitsprogramm bringt wenig, wenn es im Alltag nicht genutzt wird.
Ein zentraler Punkt des Gesprächs ist die Frage, welche Erkenntnisse aus dem DiGA-Markt auf Präventionsangebote übertragen werden können.
Für Malte Bornholdt sind dabei vor allem zwei Faktoren entscheidend: Evidenz und Adhärenz.
Digitale Gesundheitsangebote sollten nicht nur gut aussehen oder interessante Inhalte vermitteln. Sie müssen einen nachvollziehbaren Nutzen schaffen und Menschen dabei unterstützen, ihr Verhalten tatsächlich zu verändern.
Gleichzeitig reicht auch ein wissenschaftlich fundiertes Konzept allein nicht aus. Wenn eine Anwendung nicht regelmäßig genutzt wird, kann sie ihre Wirkung kaum entfalten.
Genau hier sieht Bornholdt eine wichtige Aufgabe für die Prävention: Angebote müssen evidenzbasiert sein und gleichzeitig so gestaltet werden, dass Menschen gerne und langfristig mit ihnen arbeiten.
Die eigentliche Konkurrenz eines digitalen Präventionsangebots ist häufig nicht ein anderes Gesundheitsprodukt.
Es sind Netflix, YouTube, Instagram und all die anderen Angebote, die um unsere Aufmerksamkeit konkurrieren.
Gesundheitsangebote müssen deshalb möglichst einfach in den Alltag passen. Dabei geht es nicht darum, allen Menschen dieselbe Lösung vorzuschlagen.
Wer nicht gerne läuft, wird durch die Empfehlung „Geh laufen“ kaum langfristig motiviert. Andere Menschen finden vielleicht gerade durch einen Wettkampf, eine Challenge oder ein gemeinsames Ziel den Zugang zu Bewegung.
Das Ziel sollte deshalb stärker im Vordergrund stehen als der eine vorgegebene Weg dorthin.
Prävention funktioniert dann besonders gut, wenn sie sich mit Dingen verbinden lässt, die Menschen ohnehin gerne tun.
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist die Nutzerzentrierung.
Bornholdt Lee entwickelt Anwendungen für sehr unterschiedliche Zielgruppen: von Kindern und Jugendlichen über Erwachsene bis hin zu älteren Menschen.
Entsprechend unterschiedlich müssen auch Sprache, Gestaltung und Bedienung einer Anwendung sein.
Eine digitale Gesundheitslösung für Kinder funktioniert anders als ein Angebot für Menschen über 65. Bei jüngeren Zielgruppen können spielerische Elemente eine wichtige Rolle spielen, während bei älteren Nutzerinnen und Nutzern Verständlichkeit, Orientierung und eine passende visuelle Ansprache entscheidend sein können.
Hinzu kommen besondere Anforderungen – etwa die Einbindung der Eltern bei Gesundheitsangeboten für Kinder.
Die Erkenntnis daraus: Es gibt nicht die eine digitale Gesundheitslösung für alle.
Gute Prävention beginnt damit, die Lebenswelt der jeweiligen Zielgruppe zu verstehen.
Auch Künstliche Intelligenz ist längst im Gesundheitsbereich angekommen.
Im Podcast diskutieren Oliver Neumann und Malte Bornholdt die Möglichkeiten, aber auch die besonderen Anforderungen, die sich daraus ergeben.
Gerade im medizinischen Umfeld reicht es nicht, dass Antworten schnell oder überzeugend klingen. Informationen müssen zuverlässig, nachvollziehbar und medizinisch verantwortbar sein.
Deshalb sieht Bornholdt den Einsatz von KI im regulierten Gesundheitsmarkt mit besonderer Verantwortung verbunden. Neue Technologien können Gesundheitsangebote unterstützen und weiterentwickeln – gleichzeitig müssen ihre Grenzen berücksichtigt werden.
Entscheidend bleiben damit auch in einer zunehmend KI-geprägten Gesundheitswelt Vertrauen, medizinische Glaubwürdigkeit und Evidenz.
Im Vergleich zu digitalen Anwendungen für bereits bestehende Erkrankungen ist es für präventive Lösungen häufig schwieriger, tragfähige Geschäfts- und Finanzierungsmodelle aufzubauen.
Malte Bornholdt berichtet aus seiner Arbeit, dass vergleichsweise wenige Start-ups mit rein präventiven Produktideen auf sein Unternehmen zukommen. Ein Grund sei, dass Finanzierung und Refinanzierung oftmals weniger eindeutig seien als bei anderen digitalen Gesundheitsangeboten.
Dabei würde er am liebsten mehr Anwendungen entwickeln, die dazu beitragen, dass bestimmte Erkrankungen gar nicht erst entstehen.
Genau darin liegt eines der großen Potenziale digitaler Prävention: Menschen nicht erst dann zu unterstützen, wenn gesundheitliche Probleme bereits vorhanden sind, sondern möglichst früh anzusetzen.
Prävention ist aber nicht nur eine Frage guter Produkte.
Im Gespräch geht es auch darum, wie früh Gesundheitskompetenz vermittelt werden sollte. Themen wie Bewegung, Ernährung und der Umgang mit der eigenen Gesundheit müssten nach Ansicht von Bornholdt schon deutlich früher selbstverständlich werden.
Denn wer bereits in jungen Jahren versteht, welchen Einfluss das eigene Verhalten auf die Gesundheit haben kann, muss sich dieses Bewusstsein später nicht vollständig neu erarbeiten.
Gleichzeitig bleibt es nie zu spät, damit anzufangen.
Ob mit 20, 40 oder 70 Jahren: Entscheidend ist, einen Zugang zu finden, der zur eigenen Lebenssituation passt und langfristig funktioniert.
Die Podcast-Folge mit Malte Bornholdt zeigt, welches Potenzial in digitalen Gesundheits- und Präventionsangeboten steckt – aber auch, welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen.
Evidenz, Nutzerzentrierung, einfache Zugänge und eine hohe Adhärenz gehören dabei zu den entscheidenden Faktoren.
Die Erfahrungen aus dem DiGA-Markt können helfen, auch Präventionsangebote konsequenter aus Sicht der Menschen zu entwickeln, die sie später nutzen sollen.
Denn am Ende geht es nicht darum, möglichst viele Gesundheits-Apps oder Programme zu schaffen. Es geht darum, Angebote zu entwickeln, die tatsächlich etwas verändern.
Und damit Prävention nicht erst beginnt, wenn Gesundheit bereits verloren gegangen ist.
🎙️ Die komplette Folge des PREVENTURE Podcasts mit Malte Bornholdt ist ab sofort auf allen gängigen Podcast-Plattformen verfügbar.
Mehr Informationen unter www.preventure-event.de und www.cyberhealth.de.